Quarantäne - Die Reise der Bonsai aus Japan in deutsche Gärten

In unserem Wunschdenken ist es eigentlich ganz einfach. Die Formgehölze unserer Wahl werden in Japan ausgesucht und gekennzeichnet, später verladen und verschifft um sie in Deutschland danach umgehend am Ort ihrer Bestimmung zu verpflanzen. Also, grob überschlagen, innerhalb von 3 Monaten realisier- und umsetzbar. Ok, sagen wir es mal so, es ist tatsächliches Wunschdenken.

In der Realität ist die Verschiffung von gekauften Niwaki und Bonsai über die Kontinent-Grenzen hinaus leider nicht so problemlos durchzuführen. Stellen Sie sich vor, Sie sehen in Japan auf Ihrer Reise einen Baum, vielleicht einen Taxus, der Ihnen so zusagt, so dass Sie ihn unbedingt haben möchten. Nun kontaktieren Sie – natürlich total motiviert – einen möglichen Exporteur und bitten ihn darum, den Baum zu exportieren. Nachdem Sie von ihm einen Vortrag über die anstehende, unbedingte und zeitaufwendige Quarantäne erhalten haben, überlegen Sie sich alles noch einmal in Ruhe und fangen an zu zweifeln. Wann bekomme ich nun noch einmal meinen Baum in meinem Garten gepflanzt? In zwei Jahren?

Was für Sie verrückt klingt, ist für uns ein ganz normales Business. Wir kennen die Baumschulen in Japan, arbeiten mit einem bestimmten, von uns ausgewählten und zuverlässigen Exporteur zusammen und haben uns an das langwierige Prozedere der Quarantäne gewöhnt. Tatsächlich dauert es mindestens 24 Monate, bis ein ausgesuchter Baum aus Japan auf unserem Grundstück zum Verkauf freigegeben wird – und das unabhängig von seiner Größe oder Art. Das Prozedere kann man nicht auf Bürokratie zurückführen, sondern dient alleine dazu, Krankheiten und Krankheitserreger der jeweiligen Arten nicht nach Europa zu exportieren. Die kleinen, fast unsichtbaren, blinden Passagiere sollen dann doch lieber vorher abgeschüttelt werden.

Dazu ist es erforderlich, dass unser Taxus vom Züchter aus dem Feld ausgegraben wird. Mit seinem komprimierten Wurzelballen wird unser Baum dann für 12 Monate mindestens 100 cm oberhalb des Erdbodens gelagert. Richtig, die Wurzeln dürfen ab diesem Zeitpunkt keinen direkten Kontakt mehr mit japanischem Erdboden haben. Gleichzeitig wird der Wurzelballen in geregelten Abständen in eine sehr unappetitliche grüne Brühe getunkt. Hiermit werden die kleinen und blinden Parasiten aus der Erde entfernt. Erst wenn diese Reisebegleiter abgesprungen sind und nach frühestens 12 Monaten in der japanischen Quarantäne, wird der Baum vom ansässigen Pflanzenschutzdienst für den Export freigegeben. So verbringt der Baum mindestens eine Vegetationsperiode außerhalb des Erdbodens und hat so die Möglichkeit die Neubewurzelung voranzutreiben. Aber erst wenn der Bonsai die grässliche grüne Brühe übersteht und für die Art der Anwendung stark genug war. Ich kann Sie beruhigen, nur sehr wenige Bäume, die von uns in Japan für den Export nach Deutschland selektiert werden, scheitern an dieser Hürde und werden nicht in die dafür vorgesehenen See-Container verladen. Alle anderen Niwaki werden auf dem Seeweg nach Deutschland, meist Hamburg, geschickt. Der Zeitraum von der Verladung bis zur Auslieferung auf unseren Hof kann schon einmal 5-6 Wochen dauern. Und wer jetzt denkt, dass der Baum nach Ankunft direkt an seinen Bestimmungsort verpflanzt werden kann, irrt erneut. Denn nun beginnt die Quarantäne unter Kontrolle des deutschen Pflanzenschutzamtes in einem angeschlossenen Gewächshaus. Diese Quarantäne dauert weitere 3 Monate und wird mit der finalen negativen Probe auf blinde Passagiere (Nematoden) durch das Veterinäramt beendet. Erst ab diesem Zeitpunkt dürfen die Bonsai den Interessierten und Kunden in der Öffentlichkeit zugänglich gemacht bzw. an dem Ort ihrer Bestimmung verpflanzt werden.

Sie sehen also, wir sprechen hier von einem tatsächlichen Import-Marathon, der nicht selten 24 Monate dauert. Nichts desto trotz hat die Erfahrung gezeigt, dass die besten Bonsai und Niwaki in Japan gestaltet werden. Der Import der beeindruckenden Lebewesen gehört für deutsche Gartenliebhaber einfach dazu.